zurück zur Startseite

Bei blauem Blinken an der Straße sehen Rehe rot.

Jagdpächter haben von Hilpoltstein bis Unterrödel blaue Reflektoren montiert, um Zahl der Wildunfälle zu senken

HILPOLTSTEIN — Bei orange sehen wir rot. Die Warnfarbe an Straßensperren und auf Schutzwesten sorgt dafür, dass in unserem Hirn das Stoppsignal geschaltet wird. Aber nicht jedes Hirn reagiert so. So nehmen Rehe Orange- und Rottöne nicht als signifikant wahr. Deshalb sind an den Straßenpfosten zwischen Hilpoltstein und Unterrödel jetzt blaue Reflektoren montiert. Jedes Jahr finden die Jagdpächter Dr. Bernd Kratschmer und Hans-Jürgen Ditz an oder in der Nähe der Staatsstraße von Hilpoltstein nach Unterrödel bis zu zehn schwerverletzte oder tote Rehe. Doch das sind längst nicht alle Tiere, die nach Unfällen verenden. Dr. Kratschmer weiß, dass viele Autofahrer den Zusammenstoß mit einem Wildtier nicht melden, manche verletzte Tiere schleppen sich auch so weit weg, dass er sie in seinem Jagdrevier südlich von Hilpoltstein nicht mehr findet. Bestimmt 25 Rehe sterben alljährlich allein rund um den eineinhalb Kilometer langen Straßenabschnitt in diesem Jagdrevier.

Besonders betroffen sind wir, wenn wir da ein trächtiges Muttertier liegen sehen und die noch nicht geborenen Kitze über die Straße verteilt sind,

schildert Kratschmer solche Erlebnisse. Doch neben dem Mitleid mit dem unter Umständen qualvoll verendenden Tier gibt es für die Jagdpächter noch mehr Gründe, etwas gegen den Tod auf der Straße zu unternehmen.

Schaden bedeutet der Wildwechsel auch für die Autofahrer — manche landen nach einem Wildunfall sogar bei Chirurg Kratschmer in der Praxis — und natürlich für die Jäger. Ein Reh ist zwischen 60 und 90 Euro wert. Von der jährlich verordneten Abschussquote von 28 Rehen in dem 660 Hektar großen Jagdgebiet um Hilpoltstein entfallen also 30 Prozent auf den “Erleger” Straßenverkehr. Orangefarbene Reflektoren gibt es zwar an vielen Straßenbegrenzungspfosten, aber sie werden von den Tieren nicht als Warnsignal erkannt, hat der Bayreuther Jäger Konrad Löhnert herausgefunden. Wenn die Tiere aber blau sehen, reagieren sie mit Vorsicht. Also hat Diplomingenieur Löhnert blaue Reflektoren konstruiert, die an die weißen Pfosten geschraubt werden können. Die Reflektorfolie klebt auf einem halbrunden Zylinder, so dass das Licht mitwandern kann. Der Effekt: Bewegtes Licht nimmt das Wild besser wahr. Und der Effekt an den Straßen, wo die Reflektoren schon montiert sind: die Unfallzahl ging um 72 Prozent zurück.

Die beiden Hilpoltsteiner Jagdpächter Kratschmer und Ditz haben sofort zugegriffen, 75 blau leuchtende Reflektoren gekauft und sie mit tatkräftiger Unterstützung von Landratsamt und staatlichem Straßenbauamt auf den 1,5 Kilometern auf beiden Straßenseiten montiert. Für Dr. Kratschmer und Hans-Jürgen Ditz bedeutet das Kaufen und Montieren der 20 Zentimeter hohen Reflektoren zwar Aufwand und Geld, aber im Vergleich zu den traurigen Erfahrungen bisher eine

lohnende Investition für alle Beteiligten.

Was aber passiert, wenn die Rehe sich ans Blausehen gewöhnen? Die Gefahr sehen die Jäger nicht, denn laut einer statistischen Erhebung von Löhnert, ist die Zahl der Wildunfälle auch nach zwei Jahren nicht gestiegen.

Trotzdem garantieren die blauen Leuchtstreifen nicht absolute Sicherheit:

gerade im Herbst und im Frühjahr müssen Autofahrer in der verlängerten Dämmerung besonders aufpassen,

mahnt Kratschmer. Einem Reh oder einem Wildschwein folgen meist weitere Tiere nach. Und:

Einem Tier niemals ausweichen,

mahnt der Chirurg. Beim Ausweichen in die Böschung oder den Gegenverkehr trifft es nicht nur das Tier, sondern auch den Fahrer. Das weiß er aus seinem Wartezimmer.

www.halbkreisreflektor.de

Schilderwerk Beutha GmbH
Clemens-Winkler-Straße 6b
09116 Chemnitz

Telefon: 0371/ 77 51 51-300
Telefax: 0371/ 77 51 51-777
Email: Wildwarnreflektor(at)SW-Beutha.de
Internet: www.SW-Beutha.de

zur Startseite